3238 Meter über Meer. Kein Kran, der morgen früh einfach auf den Hof fahren kann. Kein Lastwagen, der um 7 Uhr die Bauplatte liefert. Kein Regenschutz, der eine Woche Schlechtwetter überbrückt. Der Titlis ist nicht einfach ein Berg mit einer Seilbahnstation – er ist eine der extremsten Baustellen, die die Schweiz derzeit zu bieten hat. Und genau dort baut Herzog & de Meuron gerade eine neue Bergstation und aktiviert einen Richtstrahlturm aus den 1980er-Jahren zu einem ikonischen Tourismusbauwerk.
Was auf einem Visualisierungsbild elegant und selbstverständlich wirkt, ist in der Realität das Ergebnis von Jahren sorgfältiger Planung. Die neue Bergstation soll die bestehende Seilbahn baulich einschliessen – eine sogenannte Inklusion – und gleichzeitig mit einem komplexen dreidimensionalen Tragwerk die Lasten in den zentralen Felsgrat ableiten. Der Richtstrahlturm erhält zwei kreuzförmig eingeschobene horizontale Baukörper aus Stahl, die ein Restaurant und eine Bar beherbergen. 330 Sitzplätze auf über 3000 Metern. Das Konzept ist bestechend klar. Die Ausführung ist eine logistische Meisterleistung.
Denn jedes Kilogramm Material muss per Seilbahn oder Helikopter auf den Gipfel gebracht werden. Die Bausaison ist auf wenige Monate im Jahr begrenzt. Schneestürme können eine Woche Arbeit über Nacht zum Stillstand bringen. Handwerker und Fachleute müssen jeden Morgen Gipfelbedingungen trotzen – unter normalen Arbeitszeitregelungen, die für solche Umgebungen ursprünglich nicht gedacht waren. Und das alles, während der Tourismusprojekt weiterläuft und Tausende von Besuchern täglich die Anlage nutzen.
Dieses Projekt stellt Fragen, die weit über das Titlisprojekt hinausgehen: Wie verändert ein extremer Standort die Grundregeln des Bauens? Wann ist Vorfabrikation nicht mehr nur eine Option, sondern eine Notwendigkeit? Und wie planen Architekten, Ingenieure und Bauleitungen gemeinsam für Bedingungen, die im Tal niemand je erlebt?
Bauen auf dem Titlis zeigt: Der Berg vergibt keine Planungsfehler. Er macht aber diejenigen sichtbar, die wirklich verstanden haben, was Bauen bedeutet.
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